Likedeeler


Viele Vitalienbrüder waren als Seeräuber und Kaperfahrer in der Nordsee aktiv, wo sie bei den friesischen Häuptlingen Widzel und Keno II. tom Broke in Marienhafe gegen Beteiligung an der Beute Aufnahme fanden.

Sie nannten sich jetzt „Likedeeler“, weil sie die Beute gleichmäßig auf alle Besatzungsmitglieder verteilten. Auf ausgedehnten Kaperfahrten in die Nord- und Ostsee beraubten sie Schiffe der Engländer (die Merchant Adventurer), Dänen, Schweden und besonders die Schiffe der Hansestädte im Englandhandel. Der Seehandel Hamburgs wurde um 1400 fast zum Erliegen gebracht.

Der enorme Druck der Likedeeler auf den Seehandel führte dazu, dass die Hanse sie mit allen Mitteln zu Wasser und zu Lande jagte. Nach dem Feuertod Widzels in der Kirche zu Detern durch einen von Kriegern des Erzbischofs von Bremen gelegten Brand amtierte Keno II. tom Broke als Häuptling. Diesen konnte die Hanse 1400 auf das Unterlassen jeglicher Unterstützung der Seeräuber verpflichten.

1401 gelang es den Hamburgern unter Simon von Utrecht als Befehlshaber der Flotte und Kommandant ihres Führungsschiffes Bunte Kuh die Likedeeler bei Helgoland und an der Weser entscheidend zu schlagen und schließlich durch Verrat auf Störtebekers Schiff gefangenzunehmen. Ihre Anführer Klaus Störtebeker, Gödeke Michels und Magister Wigbold wurden in Hamburg hingerichtet.

Damit waren die Likedeeler aber nicht vernichtet. Vor der zunehmenden Verfolgung durch die Hanse, Engländer und Holländer wichen sie aus der Nordsee in die Ostsee aus. Zwischen 1410 und 1435 operierten die Likedeeler von der Schleimündung aus, wo ihnen die Grafen von Holstein gegen Kriegsdienste Unterschlupf gewährten. 1429 griffen sie sogar die Hanse-Niederlassung in Bergen (Norwegen) an und plünderten die Stadt.