Henry Morgan


Sir Henry Morgan (* um 1635; † 25. August 1688 in Port Royal) war ein bekannter englischer Freibeuter des 17. Jahrhunderts.

Über die genaue Herkunft Morgans ist wenig bekannt. Er selbst soll als sein Geburtsjahr das Jahr 1635 angegeben haben. Sein Vater war vermutlich Robert Morgan, ein Pächter oder Grundbesitzer aus Wales.

Ab 1665 beteiligte sich der Rotschopf Henry „Harry“ Morgan an Raubunternehmungen englischer Freibeuter, die von Jamaika aus gegen spanische Schiffe und Niederlassungen in der Karibik segelten. Klüger als seine Kameraden verprasste er seine Beuteanteile nicht in Kneipen und mit Frauen, sondern sparte, was er unter Einsatz seines Lebens gewonnen hatte. Schon bald verfügte er über die Mittel und die Kreditwürdigkeit, Kaperunternehmungen in eigener Regie durchzuführen. Mitte 1668 überfiel er mit Wissen und Billigung des englischen Gouverneurs von Jamaika, Sir Thomas Modyford, die Stadt Portobelo.

Hier warteten immense Werte an Gold, Silber, Perlen und Edelsteinen neben großen Mengen an Edelhölzern, Indigo und Kakao auf den Abtransport nach Europa. Im Frühjahr 1669 suchten fast 500 Freibeuter unter Morgans Kommando die spanischen Siedlungen Maracaibo und Gibraltar (beide am Maracaibosee im heutigen Venezuela) heim. Auch dieses Mal war die Beute beachtlich. Im Januar 1671 gelang Morgan der größte Coup seiner Laufbahn. Als selbsternannter „Chefadmiral aller Bukaniersflotten und Generalissimo der vereinigten Freibeuter von Amerika“ zog er mit rund 1.200 Mann auf 36 Schiffen gegen Panama, zu jener Zeit die größte und reichste Niederlassung Spanisch-Amerikas.

Unter Morgans Führung schlugen die Piraten nach einem strapaziösen neuntägigen Fußmarsch über den Isthmus eine beachtliche Überzahl spanischer Soldaten in die Flucht und besetzten, plünderten und brandschatzten die Stadt. Als sehr reicher Mann kehrte Morgan nach Jamaika zurück, wurde verhaftet und nach England gebracht, weil der englische König inzwischen einen Friedensvertrag mit Spanien geschlossen hatte. Im Jahre 1674 wurde Henry Morgan begnadigt und in den Adelsstand erhoben und zum „Lieutenant-Governor“ von Jamaika ernannt.

In diesem Amt rüstete er die Küstenfestungen von Port Royal mit den Kanonen eines seiner Lastensegler aus, um die Hafenstadt gegen Piraten zu schützen. Auf diesem Posten und später als „Custos of Port Royal“ und „Judge of the High Court of Vice-Admiralty“ machte sich Sir Henry Morgan einen Namen als unerbitterlicher Widersacher der Piraten und ließ so manchen seiner ehemaligen Raubgenossen zur Strecke bringen.

Kurz vor seinem Tod verfiel Henry Morgan der Trunksucht. In den wenigen klaren Momenten bat er Gott um Vergebung für seine Gräueltaten. Er gab einen Teil seiner Beute, welchen er aus der Kirche in Panama und Maracaibo geplündert hatte, der Kirche in Port Royal zurück. Henry Morgan starb am 25. August 1688 in Port Royal auf Jamaika gegen 11.00 Uhr morgens. Die Todesursache ist umstritten. Möglich scheint Tuberkulose, Syphilis oder Leberversagen in Folge seines übermäßigen Alkoholkonsums.

Als Dank für seine Verdienste für die Englische Krone bekam er ein Staatsbegräbnis auf Port Royal. In seinem Testament bat Henry Morgan um Vergebung und dokumentierte alle seine Gräueltaten für die Nachwelt. Henry Morgan mag ein begnadeter Taktiker gewesen sein, war aber ein ungeschickter Seemann. In seiner Karriere als Freibeuter hat er kein einziges Seegefecht gewonnen, drei große Lastensegler durch Navigationsfehler auf Grund gesetzt und einen weiteren durch eine mysteriöse Explosion im Pulverlager verloren.

Dennoch war Henry Morgan der am meisten gefürchtete Pirat der Karibik. Heute ist eine der bekanntesten Rumsorten nach ihm benannt: Captain Morgan. Allerdings kommt dieser nicht aus seiner Wahlheimat Jamaika, sondern wird in Puerto Rico hergestellt.

Im Laufe seines Lebens hat Henry Morgan den „Piratencodex“, die so genannten „Articles of Agreement“ verfasst, die sich heute im Archivo General de Indias in Sevilla befinden. Diese wurden von seinem Leibarzt Alexandre Olivier Exquemelin niedergeschrieben: „Sie erhalten für den Verlust eines rechten Arms 600 Achterstücke oder sechs Sklaven, für den Verlust eines linken Arms 500 Achterstücke oder fünf Sklaven…“ („Thus they order for the loss of a right arm six hundred pieces of eight, or six slaves; for the loss of a left arm five hundred pieces of eight, or five slaves…“)

Zum Vergleich konnte zur damaligen Zeit bereits für zwei Achterstücke eine Kuh erworben werden. Beim Anheuern unterschrieb ein Pirat diesen Codex, der ihm demokratische Mitspracherechte bei der Wahl des Kapitäns und einen festgelegten Anteil an der Beute zusicherte.