Riesenkalmare


Die Riesenkalmare (Architeuthis) sind die einzige Gattung der gleichnamigen Familie innerhalb der Kopffüßer. Wie alle Kalmare besitzen sie zehn Arme, die um die Mundöffnung gruppiert sind, wovon zwei zu Tentakeln umgebildet sind. Aus diesem Grund werden sie den Zehnarmigen Tintenfischen oder Decabrachia zugeordnet. Die genaue Stellung innerhalb des Systems ist gegenwärtig noch unklar.

Über die Größe der Riesenkalmare wurde schon viel geschrieben, und vieles davon war maßlos übertrieben, was sich auch darin äußert, dass selbst heute in Fachbüchern vielfach falsche Angaben zu finden sind. Ein Problem bei der Messung von Längen bei Riesenkalmaren ist die enorme Dehnfähigkeit der Arme, weshalb in der Regel die nur wenig veränderliche Mantellänge als Kriterium zur Betrachtung der tatsächlichen Größe herangezogen wird. Hier sei etwa das im Jahre 1887 in Lyall Bay (Wellington) am Strand angespülte Exemplar genannt. Es hatte eine Gesamtlänge von 18,3 m, tatsächlich betrug seine Mantellänge aber nur 1,8 m, was bei einem Exemplar mit natürlich langen Tentakeln einer Gesamtlänge von etwa 10,7 m entspricht.

Die größte belegte Mantellänge für Architeuthis beträgt 2,25 m, wobei Riesenkalmare in Ausnahmefällen eine Standardlänge (die Kopf und Fangarme einschließt) von 5 m erreichen. Der allergrößte Teil der Gesamtlänge wird durch die beiden langen dünnen Tentakel ausgemacht, und tatsächlich konnte nie ein Riesenkalmar nachgewiesen werden, der mit ungedehnten Tentakeln eine Länge von 13 m überschritt. Weltweites Vorkommen der Riesenkalmare Entgegen vielen anderslautenden Berichten konnten auch in den Mägen von Pottwalen noch keine Funde von Riesenkalmaren gemacht werden, die größeren Individuen von mehr als 13 m zuzuordnen wären, obwohl hier schon zahlreiche Untersuchungen gemacht wurden. Riesenkalmare scheinen zu den langlebigsten Vertretern der Kopffüßer zu gehören und 3–5 Jahre alt zu werden, was bedeutet, dass sie ihre Größe in sehr kurzer Zeit erreichen. Allgemein gilt der Riesenkalmar Architeuthis als der größte Kopffüßer. Allerdings erreicht der weitaus weniger bekannte und kompakter gebaute „Koloss-Kalmar“ Mesonychoteuthis hamiltoni (der nicht zu dieser Familie, sondern zu den Gallertkalmaren gehört) noch deutlich größere Ausmaße mit Mantellängen bis zu 4 m.

Riesige Tintenfische gehörten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts eher in ein Märchenbuch als in eines über Zoologie. Obwohl seit Jahrhunderten über Sichtungen von Riesenkalmaren und Begegnungen mit diesen Tieren berichtet wurde, wurden die Erzählungen meist als Seemannsgarn verspottet und ins Reich der Legenden verwiesen. Selbst die Funde gestrandeter Kalmare mit Längen von weit über 10 Metern wurden nicht ernst genommen. Heute weiß man, dass es diese Tiere tatsächlich gibt.

Der erste wissenschaftliche Beweis war der Schnabel eines 1854 in Jütland (Dänemark) gestrandeten Tieres, der in die Hände des Naturforschers Japetus Steenstrup gelangte. Dieser untersuchte ihn und beschrieb so den ersten Riesenkalmar, Architeuthis dux. Während des Zweiten Weltkrieges versenkten deutsche Jagdflieger den britischen Truppentransporter „Britannia“. Elf Überlebende, die sich nach dem Untergang des Schiffes an ein kleines Rettungsfloß geklammert hatten, berichteten übereinstimmend, einer von ihnen sei von einem großen Kopffüßer in die Tiefe gezogen worden.

Spanische Wissenschaftler haben im September 2003 zwei Riesentintenfische an der Nordküste Spaniens bei Oviedo erstmals lebend gefangen, diese verendeten jedoch kurz darauf. Der größere war elf Meter lang und wog 140 Kilogramm (stark gekürzte dpa-Meldung). Am 30. September 2004 gelang es den japanischen Forschern Tsunemi Kubodera und Kyoichi Mori vom nationalen Wissenschaftsmuseum in Tokio durch eine Kamera in einer Tiefe von 900 Metern Bilder eines lebenden Exemplares vor den Ogasawara-Inseln im Nordpazifik zu schießen. Das Tier verlor einen seiner Fangarme (Tentakel), als dieser sich im Köderhaken verfing. Die Länge des Fangarmes betrug 5,5 Meter, was auf eine Gesamtlänge des Tieres von rund acht Metern schließen lässt. Bei dieser Gelegenheit konnte auch beobachtet werden, dass diese Tiere aktiv jagen und sehr aggressiv sind. Es sind die ersten Aufnahmen eines lebenden Riesenkalmars in seinem natürlichen Lebensraum.

Die Bilder wurden am 28. September 2005 in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht. Im Dezember 2006 gelang es dem Team von Tsunemi Kubodera erneut vor den Ogasawara-Inseln Aufnahmen von einem Riesenkalmar zu machen, diesmal an der Wasseroberfläche und als Videoaufnahme. Das den Angaben nach weibliche und noch nicht ausgewachsene Tier wurde mit einem Fressköder in 600 Metern Tiefe angelockt, und konnte lebend an Bord des Schiffes gehoben werden, verendete dort jedoch – vermutlich an Verletzungen, die es während des Fanges erlitt. Über die Länge des Tieres existieren bisher keine verlässlichen Angaben, genannt wurden zwischen drei und sieben Meter. Der Fang wurde in Formalinlösung konserviert und soll nun eingehender untersucht werden. Im Juli 2007 wurde ein toter Riesenkalmar mit einer Mantellänge von 2 m und Gesamtlänge von 8 m in Tasmanien an Land gespült.